Das Jahr 1918
Ernst August, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg sah sich am 8. November 1918 genötigt, ein Dokument zu unterschreiben, welches ihm ein wütender Mob unter Androhung von Gewalt, ohne jedwege rechtliche Legitimation, vorhielt. Wie sollte sich nun ein Gentleman entscheiden, wo seiner Frau der Lauf einer geladenen Pistole an die Schläfe gesetzt wird?
Rechtswidrige, erzwungene Abdankung 1918
Diese sogenannte "Abdankung", unter Waffengewalt erzwungen, entbehrte zudem eine eigene Formulierung, da vorgelegt. Diese ist rechtswidrig. Man bedenke an dieser Stelle, das diese Abdankung nur für das Herzogthum Braunschweig gedacht war, und seine Formulierung nur so gedeutet werden kann, da Ernst August zu dieser Zeit Herzog von Braunschweig. Eine Abdankung von Ernst August hinsichtlich des Königreichs Hannover war bereits von Seiten Preußens vorab vorgeschlagen, jedoch nicht zwingend verlangt worden, und auch an dieser Stelle nicht Gegenstand.
Das Deutsche Fürstenhaus von Hannover hat 1918 nicht auf den Thron in Hannover verzichtet!
Romkerhall bis 1933
Nach 1866 finden wir die Ortsbezeichnung Romkerhalle, anstatt Romkerhall, mit Sicherheit ein Manöver, das die gemeindefreie Kammergut- Domäne- Romkerhall mit einer auch Kartentauglichen Namensgebung überlagern sollte, ein Vorgang, der in seinem Nachleben bis heute andauert und neuerdings angeblich Romkerhalle fälschlich- fragwürdig- verwirrender Weise der Gemeinde Goslar zuweist.
Das Gebäude des Jagdsitzes wurde stetig erweitert und befindet sich zu dieser Zeit nun im Besitz von Theodor Hulsch & Sohn. Das Umgebindegebäude, welches im Ursprung aus drei Teilen in Fachwerkbauweise mit zwei dominanten Sattel-, beziehungsweise Giebeldächern in Pfettenbauweise bestand, wurde zunächst mit zwei weiteren Gebäudeteilen erweitert, wodurch ein weiterers, dominantes Sattel-, beziehungsweise Giebeldach und der somit entstandene zusätzliche zwischengelagerte Gebäudeteil vergrößerte Räumlichkeiten boten, allerdings das original Erscheinungsbild auch stark veränderte. Der heute existierende sogenannte "Rittersaal" existiert zu diesen Zeitpunkt noch nicht, von der westlich gelegenen Seite der Oker ist das Gebäude daher nur über die Romkerbrücke erreichbar. Links im Bild sehen wir die "Villa Helene":
Die "Villa Helene" wurde 1902 auf einem der Grundstücke in unmittelbarer Nähe nördlich des Haupthauses errichtet:
Villa Helene 1906
Die Namensgebung des Hauses verweist auf die Ehegattin des damaligen Betreibers.
Die folgende Karte sowie die Werbegrafiken aus dem Jahre 1927 entstammen dem Reiseführer „Der Harz und das Kyffhäusergebirge“, amtlicher Reiseführer des Harzer Verkehrs-Verbandes, hrsg. von Rudolf Stolle, 20. Auflage, Eigentum und Verlag von E. Appelhans & Comp. (Rud. Stolle u. Gust. Roselieb), Braunschweig 1927
Stolles Wanderkärtchen von Romkerhalle Okertal 1927
Detail aus aus dem Textteil | Detail aus aus dem Textteil |
Mittlerweile gab es Post- Omnibusverbindungen von Romkerhalle nach Oker, Harzburg, Goslar, Altenau, Hahnenklee. Da der Gastbetrieb florierte, bestand weiterhin der Wunsch nach Vergrößerung. Bedingt durch die Lage im Tal, mit seinen geografischen Einschränkungen durch die Oker, der Straße, als auch der Romkerbrücke, entschied man sich das Gebäude mit einem Halbrunden Pavillion zu erweitern. Eine rechtliche Besonderheit, der Umstand, das sich das Grundstück bis auf die westlich gelegene Seite der Oker erstreckt, ermöglichte neben der bestehenden, rechtlich notwendigen Signifikanz den Bau eines architektonisch Glanzstückes: einer bebauten Überbrückung über die Oker, zwischen dem Haupthaus und dem westlich der Oker gelegenem Grundtstückteils.
Romkerhall im Mai 1932
In dieser Aufnahme, gut ersichtlich, der zu dieser Zeit noch existente Anbau, welcher als runder Pavillon mit südlicher Blickrichtung in gemütlicher Atmosphäre zum verweilen einlud. Bemerkenswert sind die besonders aufwendig und schön gestalteten Fenster, als auch der Umstand, dass man zu dieser Zeit noch vor dem Haus spaziern konnte.
Der Pavillion vor 1945 | Detail aus dem Speisesaal vor 1945 |
Romkerhall im Mai 1932
Blick vom Balkongang zur Brücke. Hinter der Personengruppe sind rechts neben dem rechteckigen Pavillon die Gebäude der ehemaligen Pferdestelle des königlichen Jagdsitzes zu sehen. Theodor Hulsch unterhielt zu dieser Zeit hier sein eigenes, "jederzeit zur Verfügung stehendes" Kutschfuhrwerck. Später sollten auch diese Stallungen zur fremdenverkehrstauglichen Nutzung umgebaut werden. Direkt rechts davon, also südlich mündet eigentlich die Romke in die Oker. Bemerkenswert an dieser Aufnahme ist das Fehlen des häßlichen Turbinenhauses, welches sich heutzutage rechts neben der Mündung der Romke und eben diesen Gebäuden befindet, da der Stausee zu diesem Zeitpunkt noch nicht gebaut und das Gelände noch nicht im Zuge dieser verschandelt.
Romkerhall 1933
In dieser Fotografie sehen wir beide neu errichteten Gebäudeteile. Besonders gut zu sehen ist, das die Überbrückung über eine Galerie verfügte, welche die Überquerung der Oker, ohne einen Umweg über die Romkerbrücke zu nehmen, ermöglichte.
Der geschäftstüchtige Theodor Hulsch verstand es, die Kundschaft zu binden. Seinem Reiseführer "Das Okertal im Harz" in der Navigation dieser Seite links unter "Reiseführer" hinterlegt, entnehmen wir, neben erbaulichem, Empfehlungen und Werbung im eigenen Interresse allerdings auch folgendes:
"Hotel des deutschen Offiziersvereins."
Womit wir wieder zum Kern des Themas zurückkehren: Nicht besetzt, nicht annektiert, nicht eingemeindet, aber die Herrn Offiziere treffenn sich hier auf ein Bier im Plausch.